Frankreich für Dummies | Ein Frankreich Blog

Putenstreifen- Konversation im Alltag

5Mai

Ein Beispiel von Konversationen die in meiner Umgebung regelmässig stattfinden. Sowas von wegen wir Ausländer kämpfen mit der deutschen Sprache- und welche sogenannte Niederlagen kennen...

Kontext: Mittagspause. Zwei Französinnen und eine Deutsche wollen miteinander um alles reden. Dann fängt aber eine von der beiden Französinnen sich darüber zu beklagen, dass ihr Freund sie wegen Kleinigkeiten in ihrer Sprachkenntnissen belächelt: ein Skandal!


Französin A: Also mein Freund hat misch gestern ausgelacht weil ich ihm gesagt 'abe : Bitte kaufe mal Puten- errr, Puten..., Putenstr... (Sie dreht sich um und schaut etwas verzweifelt Paulette in den Augen)

Paulette: Ah, err, Du meinst Puten-, err, Putenstr-, err, streichen?

Deutsche: Putenfilet?!

Französin A: Ja, aber' es gibt ein anderessss Wort. Isch meine kleine Stücken. Putenstreichen oder so.

Deutsche: Ahhh, Putenstreifen, oder?

Französin A: Ja, genau, aber das habe ich nicht gesagt. Ich glaube isch habe gesagt Putensträhnen?

Paulette: Strähnen? Was sind denn Strähnen?

Deutsche (sehr neutral): Es betrifft Haare.

Paulette: Aso. Aber dann gibt es einen Verb, der auch so klingt. Streichen? Oder?

Deutsche (versucht uns zu folgen): Ja, aber damit hat es gar nichts zu tun.

Französin A: Also wie sagt man es wenn Du Disch nur welche Haare abfärbst?

Paulette, im Hintergrund, sehr konzentriert: Haare Streichen... Haare Streicheln...Haare Scheiben...Haare Strähchen...nee, schleifen?!

Deutsche: Na ja, Du sagst Strähnen machen. Einfach so. Und für Pute sagst Du Filet, Putenfilet.

Paulette, sehr stolz: Ja, das Wort Streichen, err, Streifen, verknüpe ich irgendwie mit Fahrradwege. Fahrradstreifen. Also Putenfilet ist viel besser.

Deutsche (im Hintergrund, versucht es zu verbergen, gibt auf): Hahaha!

Französin A, tut als alles normal wäre: Ja, und dann meckert mein Freund dass attendre und entendre ähnlich klingeln!!! Über'aupt nischt!!! Ich denke den Unterschied ist einfacher als mit ausgeben und, ach wie sagt man das noch mal abandonner (schaut Paulette wieder etwas verzweifelt zu)

Paulette: Du meinst aufgeben?

Französin A: Ja genau! Ich sage immer ich will Geld aufgeben!!


Stundenlang könnten wir so weiter machen. Stundenlang._.

Auf der anderen Seite: es ist ziemlich lustig. Jetzt bin ich gespannt ob ich irgendwann alle diese Str--en Wörte beherrschen werde. Eine Herausforderung, yeah!!! ;)

Und Ihr, habt ihr ein paar Beispiele von Schwierigkeiten auf Französisch?!

Urlaubziele: mal nicht die französische Schweiz vergessen!

2Mai

Es stimmt, dieser Beitrag wird ein bisschen Off-topic sein. Aber mit dem schönen Wetter träume ich von frischer Luft, schönen Landschaften und Gebirgen. Für viele Franzosen ist dieses Gefühl entweder mit der Savoie oder mit der französischen Schweiz verbunden. Die Schweiz ist ein Muss, irgendwie. Nicht nur um Ski zu laufen fahren jedes Jahr Franzosen dahin. Auch im Sommer lohnt es sich, mal dort hin zu fahren. Landschaften die einen sprachlos lassen, ohne Ende. Leben im puren Sinn des Wortes. Einfachheit. Gefühl der Gemütlichkeit. Es gefällt uns, einfach so wie es ist.

Der Vorteil für uns alle ist das die Schweizer ein relatives einfaches und uns geläufiges Französich benutzen. Man fühlt sich nicht so weit weg. Sie haben einen Akzent, ihre eigene Redewendungen (z.B das Wort natel. Wird an der Stelle von portable, also Handy benutzt). Für ihre Art, langsam zu reden, werden sie bei uns leicht belächelt. Aber einen Unterschied wie zwischen Hochdeutsch und Schwützer Deutsch gibt es nicht. Es ist fast unfassbar für uns zu lesen, dass mancher deutsche Arbeitgeber einen Mitarbeiter mit der Sprache Schwützer Deutsch gut brauchen können.

Anderer Vorteil in den Augen der Franzosen: die Lebensqualität. Einen Urlaub in der Schweiz bedeutet gute Unterkunft, gutes Essen (fondue!!!), Spaß. Die Reichen suchen sich ein Luxushotel in Montreux aus. Die anderen schenken sich einen kurzen Urlaub und fahren bis zur anderen Seite des Lac Leman Die Stadt von Evian wäre z.B ein sehr guter Startpunkt um diese Gegend zu entdecken, wenn Ihr es machen wollt wie wir;;) Evian ist eine sehr schöne Altstadt, die als Tür zur Schweiz betrachtet werden kann. Wer eine kleine Ahnung davon haben möchte, kann sich gerne mal hier umschauen...

Wird der Ruhm der Schweiz für hochwertigen Tourismus in Deutschland auch so bewertet? Und was meint Ihr?

Der Mann, der Präsident werden sollte

25April

Erster Beitrag von Lisa über diesen Blog. Lisa hat ein paar extra Wörte zu sich da geschrieben, guck mal rein! Den Text hat sie gut vor der Wahlen geschrieben, ihre Meinung finde ich besonders passend und interessant nach den Wahlen zu lesen...Dass François Hollande Präsident werden kann (und wird) ist eigentlich in sich für viele Leute erstaunlich. Nicht wegen den Ideen, sondern wegen dem Mann, der meistens alles ausser charismatisch wirkt...

Mittwoch, der 12. März 2012, 14.30 Uhr. Ich stehe inmitten von « François Hollande“-Flaggen und Plakaten im Théâtre de Verdure in Nizza und versuche, zwischen all den jubelnden Menschen nicht ganz so doof dazu stehen. Scheint mir nicht wirklich zu gelingen, da mich alle komisch anschauen, weil ich nicht mitgröle.

Allein aus Neugier hatte es mich an diesem sonnigen Nachmittag in den Jardin Albert 1er getrieben. Wenn ich schon keine Wahlkampfveranstaltung in Deutschland besuche, dann kann ich es ja wenigstens mal in Frankreich versuchen, dachte ich mir. Ich wollte sehen, wie François Hollande, der als stärkster Gegner Sarkozys gesehen wird und ihn in den neuesten Umfragen auch in der Stichwahl besiegen würde, hier bei mir in Nizza ankommt und was er überhaupt sagen wird und wie eine Wahlkampfveranstaltung auf französischem Boden abläuft.

Ein Riesen-Pluspunkt war erst einmal die Tatsache, dass wirklich alle in das Freilichttheater reingelassen worden. Es gab lediglich die übliche Security, die die Taschen kontrolliert hat, ähnlich wie bei Konzerten. Es wurde auch kein Eintrittsgeld genommen, niemand musste einen Ausweis zeigen oder Ähnliches. Der Grund wurde dann auch direkt am Anfang der Veranstaltung genannt:

„Ein Kandidat, der Angst vor dem Volk hat, kann kein Präsident werden.“

Wahre Worte, das muss man mal so sagen. Ein gewisses Risiko ging die Sozialistische Partei, die PS, damit allerdings auch ein. Unter den Zuschauern hätten sich Sarkozy-, Le Pen-, Bayrou- etc. Anhänger befinden können und das Meeting ganz schnell ins Negative führen können.

Zunächst fiel mir die musikalische Untermalung auf, die sicher nicht ohne ein gewisses Kalkül eingespielt wurde. Da kamen neben französischen Songs auch spanischsprachige Lieder, die zum Einwanderungskonzept Hollandes passen. Weiterhin handelte es sich ohne Ausnahme um fröhliche, ausgelassene Lieder, von denen das Publikum mitgezogen wurde. Ich finde es allerdings ein wenig fragwürdig, ob François Hollande solche Musik hört, gehört er doch mit seinen 57 Jahren zum etwas älteren Semester. Damit sind wir auch sogleich bei den Zuschauern. Das Meeting fing 14.30 Uhr an, „normale“ Menschen arbeiten zu dieser Zeit und somit war es wenig verwunderlich, dass die ältere Generation mehrheitlich anwesend war. Überrascht hat mich, dass sich viele anscheinend durch Vereine, Parteisitzungen etc. bereits kannten und zum Beispiel Plätze füreinander reserviert hatten. Man kann also nicht unbedingt sagen, dass das „breite, nicht zur Partei gehörende Volk“ anwesend war. Meiner Meinung nach sollte eine solche Veranstaltung aber auch dazu dienen, Unschlüssige von sich zu überzeugen – dieses Gefühl wurde nicht wirklich verbreitet. Mir erschien es eher wie eine parteiinterne Konferenz, bei der sich alle sicher sind, den zukünftigen Präsidenten vor sich zu haben und die sich deshalb dem Volk präsentieren um zu zeigen, wie „toll“ sie sind. Vielleicht ist das auf diesen Wahlkampfveranstaltungen aber immer so und mir kommt es nur fremd vor, weil es mein erstes Mal war.

Als François Hollande dann endlich auf die Bühne trat, war das Publikum außer Rand und Band. Alle klatschten, jubelten und feierten und es hatte den Anschein, als ob alle genau wussten, dass er Präsident wird – und es irgendwie auch schon ist. Die Rede Hollandes fand ich dann nicht besonders „schön“, inhaltlich war sie sehr dürftig ausgelegt und zielte eigentlich nur darauf ab, Sarkozys Politik schlecht zu machen – das Ganze wurde mit Witzen unterlegt, so dass das Publikum etwas zu lachen hatte und Hollande als großer, großer Sieger dastand, der (natürlich) alles besser machen wird und überhaupt, Fehler machen ja nur die anderen. Dieses Gefühl hat er mir gegeben, leider. Hollande hat sich in den höchsten Tönen selbst gelobt und dabei nie vergessen, sich über Sarkozy lustig zu machen. Als vielleicht zukünftiger Präsident sollte man meiner Meinung nach aber Respekt den vorherigen zollen. Und ein Kandidat, der nur rummeckert und andere beschimpft, kann für mich kein Präsident werden. Pardon, François.

Wahlen, Wahlen, Wahlen

22April

Heute wird es in Frankreich für den nächsten Präsident gewählt. 10 Kandidaten sind an der Reihe für den ersten Round:

- Nicolas Sarkozy - François Hollande - Jean-Luc Mélenchon - François Bayrou - Marine Le Pen - Jacques Cheminade - Nathalie Arthaud - Eva Joly - Nicolas Dupont-Aignan - Philippe Poutou

Sagen Euch diese Namen etwas? Meine Vermutung ist das international nur Sarkozy bekannt ist.

Ich denke dass Sarkozy und Hollande keinen richtigen Wettbewerb haben werden. Der könnte von Le Pen, Bayrou oder Mélenchon zwar kommen, wirklich daran zu glauben macht keiner. Wir wollen es nicht wie in 2002, wo die Wahl zwischen Le Pen (der Vater) und Chirac im Endeffekt war- ein nationaler Traumatismus, den man 21. April nennt.

Die Ergebnisse sind um 20:00 raus, und den zweiten Round am 6.Mai. Ich würde hier ganz gern eine Vorstellung von den zwei übriggebliebenen Kandidaten machen. Mal sehen, wie es sich entwickelt ;)

Blitzreise nach Paris- ein paar Ideen

16April
Bäckerei in Paris

Ich bin mir absolut sicher dass viele sich gut vorstellen können, nach Paris für ein Wochenende zu fahren. Das Problem ist aber für ganz viele, dass das Angebot an Museen, Sehenswürdigkeiten und leckeren Restaurants etwas überfordernd wirken kann.

Was sollte man unbedingt in Paris machen?

1/ Spontane Entdeckungen möglich machen

Ich bin eine grosse Fan von Karten die einen erlauben, einen Preis für ein grosses Angebot bezahlen zu können und nachher spontan was aussuchen zu können. Meine Reise enthalten immer ein Ziel und dann freie Zeit, die ich spontan am Ort organisiere, je laut meiner Laune. Von daher suche ich stets Angebote die mir dabei helfen, sowas zu machen. Paris ist keine Stadt zum Radfahren für nagelneue Touristen, von daher würde ich erstmal empfehlen, sich eine Karte zu besorgen, die die Verkehrsmittel und Eintrittsmöglichkeiten für grosse Museen anbietet. Ein Preis, kostenlose Eintritt bei den grössten Museen, Stadtrundfahrten, Vergünstigungen bei ein paar bekannten Laden. Was Paris angeht, empfehle ich entweder eine Lösung von der RATP (alle Zone von 1 bis 3 sollte man nehmen) oder einmal Paris-Pass. Normaleweise hilft diese Karte auch bei der Kosten von Fahrt bis dem Flughafen, die nicht gerade günstig sind (minimum Preis nach Roissy: 10 Euro ab dem Oper).

2/ Unvermeidliche Museen von Anfang an auswählen

Da ist es schwierig für mich was auszuwählen, das jeden Lesern hier zufrieden machen würde. Ist ja ganz unterschiedlich, kommt drauf an was jeder mag. Gegenwärtig hat Le Louvre eine sehr gute Ausstellung zum Thema Da Vinci und La Sainte Anne, die gerade restauriert worden ist. Würde ich auf jedem Fall weiterempfehlen, es dauert bis dem 25. Juni. Versailles, vor allem die Garten und Le Trianon und die Domain von Marie-Antoinette, ist eine Reise wert. Im Sommer gibt es immer was schönes mit den Brunnen.

3/ Kaffee nehmen, das Angebot von Bäckereien ausprobieren

Sich ruhig in einem Kaffee oder Salon de thé sitzten und gucken, wie die Stimmung ist. In Paris sind die Terrassen tendenziell immer voll. Anders sehen es wir anders nicht ein. Ein Buch oder eine Zeitung dabei haben, falls ihr alleine unterwegs seid. Mit dem Kellner oder der Kellnerin flirten, kostenlos und zwecklos, und dann seid ihr auch richtig. Zum Thema Salon de thé: natürlich sind Macarons toll, süss, bunt, lecker und was immer noch. Aber es gibt was anderes in Frankreich als das!!! Pitié. Probier mal um Gottes Willen was anderes. Financiers à la pistache, tarte au citron meringuée, crême brûlée, Paris Brest!!!!

Bäckerei in Paris

4/ Immer zu Fuss gehen und die Augen gut öffnen!!

  • Quartier Latin sehen. Als Startpunkt île de la Cité nehmen und dann los. Erstmal die Quais de Seine entlang, dann Richtung Luxembourg Garten. Da ist die Stadt geboren, da ist der Flair von Paris bis heute noch geblieben.
  • Lieber als zum Eiffelturm, Richtung Tour Montparnasse. Da hoch gehen lohnt sich (auch wenn die Preise noch nicht so günstig sind): man sieht ganz gut wie Paris von oben aussieht und es ist nicht so schrecklich voll wie auf dem Eiffelturm.
  • Dann Richtung Place de la Concorde und Le Louvre.

Wer Paris nicht als flâneur erlebt hat, hat Paris nicht gesehen. Ist so.

Hat jemand hier ein paar andere Tips? Das bleibt immer noch so schwierig, Tips für meine Geburtstadt zu geben. Ich sehe diese Stadt ja immer noch nicht mit den Augen von einem Touristen...