Frankreich für Dummies | Ein Frankreich Blog

Essen

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Die Nutella Katastrophe

20März

Ich weiss nicht ob es bekannt ist, aber ich muss es hier runterschreiben: die Nutella ist für jedes Land anders. Wer das nicht weiss, kann mit einem Umzug im Ausland richtige Probleme haben.

Wie z.B:

- denken, man hat dreimal in einer Reihe Pech an der Stelle von der ganzen Bevölkerung gehabt und zu alte Dosen gekauft. Überlegen, ob man das bei Lidl ansprechen sollte (Ihrrre Wa're ist schlescht' gegangennnnnnn, isch sagge Ihnennn bescheit'. Es geht um meineeee Nut'ella Doseee ) Ummmh, vielleicht doch nicht. Immerhin sieht die Nutella doch ziemlich anders aus, hat nicht einmal die selbe Konsistanz, schmeckt auf dem Brot nicht mehr.

- nicht wissen, was man von seinen Mitbewohnern oder sogar Freund(in) denken soll. Denn sie haben eine andere Meinung zum Thema Nutella in dem Kühlschrank oder nicht. Das wird mit zwei Unfälle schon ein Thema. Spinnen die? Nutella ist doch wertvoll und soll nicht wie eine blöde Erdbeermarmeladedose behandelt werden!!

- sich fragen, warum bei einem verlängerten Wochenende zu Hause in der Heimat plötzlich die Nutella wieder wie vorher schmeckt. Das kann dann nicht an den Geschmacknerven liegen. Oder, sie sind ab und zu mal kaputt...

- akute Nutellamangel haben, und von daher hohe Gefahr an Stress und neuer Umzug zur Heimat.

Und auf einmal kommt der Blitz von Verständnis: die Nutella ist anders in Deutschland. Dieser Produkt, vielleicht der einzige der es wirklich jedesmal schafft, in allen Ländern durch alle Krisne von allen Sparversuchen nicht betroffen zu sein, hat nationale Koch- und Aussehenstrategien. Und dass man es nach einem wilden Einkauf in Galeries Lafayettes verstanden hat, ist zufällig. Natürlich. Denn man kommt drauf innerhalb eines kleinen Streits merken zu lassen, dass es da ganz deutlich geschrieben, die Wahre soll NICHT im Kühlschrank. Ist doch 'ier geschrie'ben, wie auf jeder Dozzze. Ansprechspartner guckt nach, greift zu seiner eigenen Dose, wo es eben NICHT steht. Und da sind wir beide verblüfft, die Welt funktioniert nicht mehr, ein Engel fliegt vorbei...

Folge I: die Nutella Rezepte sind in der Tat einfach nicht die selben in beiden Ländern.

Folge II: man darf sich beschweren.

Man googelt also mehr als zwanzig Minuten, man ruft seine Freunde an, man verbreitet diese unglaubliche, neue Wissenschaft. Injustiz fühlt sich bis den Knochen an an diesem Moment wo man versteht, man wird nicht so leicht mitten in der Nacht bei hoher Verzweiflungfällen die rettende Dose auf dem Küchenregal finden können. Nur einen Ersatz im Kühlschrank, der wie jeder Ersatz schmeckt: wie ein Betrug.

Ich, wie alle Franzose die ich hier kenne (Ausnahme: die jenige, die keine Schokolade leiden können Aussererdische, also) kämpfe für die Einführung der französischen Nutella überall wo ich bin. Révolution!!!!!!!!!!!!!

Und jetzt dieses bekanntes Video. Ich liebe dieses Video, und ich liebe Karambolage allgemein. Mit der Hilfe von Karambolage kann man langsam schockierende Wahrheiten akzeptieren.

Für alle, die wissen möchten, wie die französische Nutella schmeckt, könnt ihr in Galeries Lafayette gehen (Berlin), oder nach Frankreich fahren. Das könnte schon Eures Leben ändern...

Hat jemand vielleicht ein anderes Beispiel von Produkten, die es in beiden Ländern gibt, und die auch anders schmecken...?

Yop !

9März

Eine der schönsten Erfahrung ins Leben im Ausland ist die Entdeckung neuer Produkten. Integration, das kann auch durch Essen stattfinden.

Franzosen hier wundern sich stets über die selben Produkten: so oft habe ich eine blasse Kopie von mir nach ein paar Monaten bei der ersten Reaktionen vor Quark, Super Dickmanns und Speck gesehen, dass es langsam mich müde macht. Wir machen alle die selben Bemerkungen. Alle.

Z.B: eine der ersten Entdeckung im Supermarkt lautet ‘’Buttermilch’’. Manchmal kauft der Franzose ein Jogurt, und hat dann eine Buttermilch zu Hause. Ein komischer Produkt in sich- laut Ausländer: Milch in einer Dose, etwas sauer, manchmal mit Obstgeschmack, oft ohne richtige Verpackung. Wir wissen nicht einmal, wann es sich trinken lässt. Vielleicht ist es für Sportler? Vegetarier? Magersüchtiger? Und wir sollen es kaufen?!

Verdächtigt hört der Franzose seine Neugier zu und öffnet die Dose. Beim ersten Mal sagt er normaleweise : beuh c’est quoi ça ?! Und kriegt die Antwort : c’est comme du Yop ! Oder kommt selbst drauf. Buttermilch ist dann sein Ding. War auch immer, sagt er.

Also jetzt kommt die Frage, was überhaupt Yop ist.

Yop ist ‘’un yahourt à boire’’, ein Yogurt zum Trinken, der seit den 80en der Spitzprodukt von der Firma Yoplait ist.Es ist sogar der erste richtige Erfolg von Yoplait, damals eine junge Firma. Eine ganze Generation ist damit aufgewachsen und glaubt an den Produkt wie andere an Petits Cœurs de Belin. Wer verstehen möchte, ein Land zu verstehen, muss erstmal die Wichtigkeit mancher Produkten verstehen. Yop ist ein bisschen wie ein Symbol für die französische Jugend. Der Produkt ist ein Muss, der sich in jedem kleinen Laden finden lässt. Wettbewerb gibt es kaum.

Warum hat es funktioniert?

Ein Grund wäre die Tatsache dass rum um die 80 Jahren die Eltern sich gefragt haben, wie sie ihre Kinder im Alltag Milch trinken lassen könnten, ohne dass es eine Qual für die ganze Familie wird. Im anderen Wörter ist der Produkt in dem richtigen Moment entstanden. Yop hat eben viel Calcium und wird praktisch für eine Pause vorgesehen. Ein anderer Grund wäre die Wahl einer richtigen Kommunikationstrategie. Ich glaube dass alle sich an einem Werbungspot von Yop erinnern werden, falls gefragt. So wie dieser, z.B:

Solche Werbung gab es damals überall. Ich habe die Vermutung, dass dieser Produkt mit einer Generation verbunden bleiben wird. Immerhin lohnt es sich es einmal auszuprobieren. Vom Geschmack her ist es anders als Buttermilch, es ist etwas cremiger. Und es fehlt hier im Laden...

Omas Schokokuchen- mein Rezept

27Februar

Im Bereich Kochen und Backen bin ich überhaupt nicht begabt. Es verlangt viel zu viel Geduld und Aufmerksamkeit, das sind leider Eigenschaften die ich vielleicht für Menschen habe, aber eben nicht für Kochen. Ich will ja essen, wenn ich Hunger habe. Möglichst schnell. Zu schnell, um eben einen Meisterwerk schaffen zu können.

Es gibt aber zum Glück etwas, das mir immer gelingt und das ziemlich einfach ist. Es hat zwar nichts mit der Küche von Elodie oder Aurélie zu tun, es ist schlicht, und es schmeckt allen. Es ist ein himmlicher Schokokuchen. In Parties ist es immer der erste Kuchen, der verschwindet. Es freut mich, sonst würde ich gar keine Antwort mehr haben zur Frage Und? was ist Deine Spezialität? (Frauen...) Da man mich immer wieder nach diesem Rezept fragt und davon ausgeht, ich kann wirklich backen, wollte ich hier das folgende einmal schreiben:

A/ Nein, ich kann nicht wirklich backen. * Macht der Wiederholung, wenn D. mich liest, wird er -vielleicht- endlich verstehen.* Und ja, man kann damit leben. Problemelos. Man muss nur bei Freunden oft essen.

B/ Ja, dieser Kuchen ist ungesund. Sehr. Liebe Leserinnen, vielleicht solltet ihr jetzt aufhören diesen Beitrag zu lesen.

Dieses Rezept hab ich von meiner Oma gekriegt, es soll eine Variante von dem französischen Rezept Reine de Sabba sein.

Ich gehe aber davon aus, jemand hat es während eines Krieges erfunden und hat einfach alles reingebacken, was einen am Leben halten könnte. Es kann sogar sein, dass das Rezept nach so einem Dialog entstanden ist:

- Schatz, ich bin von Einkaufen zurück. Und rate mal was, ich habe Schokolade gefunden!

- Schokolade?! Im Ernst? Wieviel denn?

- 150 g! Toll, oder? Wie wollen wir sie essen?

- Na, wie wäre es mit etwas Butter?

So entstand wahrscheinlich das schlimmste und einfachste Rezept der Welt, das bis heute noch benutzt wird, trotz der Existenz von Weight Watchers.

Vor ein paar Jahren, nachdem ich den Grund verstanden habe, weshalb es überhaupt Weight Watchers gibt, hab ich erst mitgekriegt, wie fettig und gefährlich mein Stammschokokuchen war. Ich habe ihn also, zwar mit schweren Herzen, etwas angepasst. Etwas. Ihr könnt ja nicht ahnen, wie weit es vorher ging. Nicht das es nicht schlimm bleibt, aber jetzt backe ich diesen Kuchen so:

  • 150 g schwarze Schokolade
  • 3 Eier
  • 130 g Zucker
  • 120 g Butter
  • 1 grosser Löffel Mehl oder Maizena
  • Salz- oder gesalzene Butter benutzen, da schmeckt es am besten.

Stufen:

  • Schokolade und Butter langsam zusammen schmelzen lassen, gut zusammenrühren. Aus dem Herd nehmen.
  • Zucker hineinfügen, rühren, Eiergelbe (eins nach dem anderen) hineinfügen und schnell rühren, sie dürfen nicht einig bleiben oder kochen.
  • Eierweiss mit etwas Salz schlagen, bis es ganz hoch und fest wird. Hineinfügen, gut rühren.
  • Mehl und Salz nach Geschmack als letztes hineinfügen und gut zusammen rühren.
  • In die Backform wie üblich hineinschieben.
  • Backen, ca. 20 Min. mit Hitze 6 für Backoffen. Der Kuchen darf in der Mitte nicht so fest gebacken werden, er hat ein "Fondant" Aspekt an sich.

Das Rezept ist toll für Kinder, es ist einfach ihnen damit die Grundlagen des Backens beizubringen. Sie fragen es auch spontan, eigentlich in dem Fall ein bisschen wie die Erwachsenen. Und wer das isst, denkt an seiner Kindheit. Garanti. Nächstes Mal mache ich Fotos und packe ich sie rein. So könnt ihr verstehen, was ich mit dem ganzen Kramm meine :)

Naschen wie in den guten alten Zeiten: Petits coeurs de Belin

18August
Petits_coeurs_chocolat

Ab und zu mal wünscht sich man aus der Vergangenheit. Der Geschmack mancher Produkte lässt uns wieder gut fühlen, eine Gemütlichkeit, die wir lange unbewusst genossen haben, kommt uns wieder entgegen. Aus der Macht der Erinnerung dank einem Stück Madeleine ist der Werk von Proust entstanden (wieviele Bände nochmal...?). Bei mir- wenn ich schreiben könnte- wäre sehr wahrscheinlich eine Dose Petits Coeurs (altes Rezept) dafür verantwortlich.

Petits Coeurs sind ein grosser kommerzieller Erfolg von Belin gewesen. Ein einfaches Gebäck mit Zucker, eine Marketing Strategie die mit der Idee der traditionnellen Küche spielt, et hop! Zahlreiche alte Werbspots lassen uns daran erinnern, wie trendy es damals war, Petits Coeurs zu essen. Z.B hier, mit Richard Anconina:

Mittlerweile hat die Marke "Lu" den alten Hersteller "Belin" abgekauft. Mit dem Ergebnis, dass "Les Petits Coeurs" in dem unglaublichen Gebäckangebot von "Lu" fast unsichtbar werden. Heute sind übrigens ganz viele Varianten von Petits Coeurs theoretisch auf dem Markt- die Frage ist eher zu wissen WO man um Gottens Willen sie finden kann.

Ich habe vor ein paar Wochen diese Variante als Geschenk bekommen- mille mercis Elise ;). Sie schmeckt ähnlich wie Maltesers und ist -trotz gutem Geschmack- weit von meiner Vorstellung entfernt. Keine Nostalgie, keine Zauberei gibt es beim Reinbeissen.

Petits_coeurs_chocolat

Vielleicht hat jemand hier eine klare Idee, wo man die ursprüngliche Sorte finden kann?

Tout sur les macarons

11Juli
Macarons_Ladurée

Seit ein paar Jahren sind "Macarons" bei uns sehr trendy geworden. Macarons bestehen aus zwei kleinen mandeln Keksen die man mit einer Creme zusammenbindet. Sie sind klein, sie sind und sie wirken süss, sie sind bunt: kein Wunder, dass das Zeug sich verkaufen und naschen lässt. Jedesmal dass es eine schicke Party gibt (Hochzeit, wichtiger Geburtstag usw.) sind sie da, immer wieder. Touristen die nach Paris fahren wollen unbedingt zu Ladurée oder Pierre Hermé und kaufen sich unglaubliche Geschmackskombinationen (Olivenöl-Mandarinen?!).

Macarons_Ladurée

Ich beobachte das mit skeptischen Augen. Erstens, weil Macarons eigentlich sich nicht so gut verzehren lassen wenn sie zu lange im Verkauf sind, laut meiner Erfahrung- ich habe genug Enttäusschungen mit trockenen Macarons gehabt. Ausserdem ist die Gastronomiehauptstadt des Landes nicht Paris, sondern Lyon- warum also auch extra zu Ketten in der Hauptstadt gehen, wenn es andere gemütlich Laden die Macarons verkaufen. Da kann man nämlich bewusst zu viel essen und dabei wissen, es lohnt sich doch. Im Rahmen der feinen Leckereien soll man z.B unbedingt das hier kennen, falls man da vorbeikommt.

Doch muss ich zugeben, ich bin ein normaler Mensch, der ab und zu mal trendy Dinge auch geniesst. Z.B jetzt. Ich habe gestern ein paar Macarons von Ladurée als Geschenk bekommen. Ein bisschen zerstört von der Reise, aber immer noch tellement jolis... Ich muss einfach zugeben, ich verstehe woher der Drang sie mal zu kaufen kommt.

Macarons

Alternativ kann man Macarons selber backen. Ich habe es probiert, es ist nicht so einfach wie es klingt, trotz aller guten Hinweisen. Aurélie gibt z.B alle Tricks um Macarons zu schaffen hier. Elodie gibt auch hier ihren Rezept für Schokomacarons. Ich glaub der Trick ist sehr präzis mit den Zutaten zu sein- sonst kommt zwar was leckeres davon raus, das sich aber nicht wirklich als solches vorstellen lässt.

Und jetzt ein paar Worten zur Geschichte dieser Spezialität: Macarons existieren seit dem Mittelalter, nur ist die heutige Form Ende des XIX. Jahrhundert bis mitte des XX. Jahrhundert bekannt geworden. Ursprünglich sind sie eine einfache Variante von Meringue, die man bei uns mit Mandelnpulver würzen wollte. Andere Länder, andere Sitten: in Italien ist das Ergebnis Amaretti.

Im XIX. Jahrhundert ist die Tradition der Salons allmählich gestorben. Grosse private Feier, wo Intellektualen, Künstlern und Musiker sich bei bekannten Familien in Paris traffen gab es nicht mehr. Eine der Folge dieser Entwicklung ist die Ausschliesslung der Elitefrauen von der politischen und künstlerischen Welt gewesen- sie waren früher mal die muses und protectrices und fanden dann keiner der Spass am salons mehr haben würde. Der Fall war in der Tat hart, die Lösung dafür einfach. Man bräuchte nur die Erstellung einer Kultur der Cafés und Maisons de thé. Ladurée, Pons (heute verschwunden), Angelina, die sind von diesem Bedarf für eine neue Form des intellektualen Lebens entstanden, Orte, wo Frauen auch mitdürften- leider nicht unbedingt direkt im Gespräch wie früher, aber schon da, und zum Naschen bereit. Diese neue Kundinnen darf man nicht in der Tradition der Pariserbäckereien unterschätzen. Sehr viel Gebäck oder Spezialitäten sind dank ihnen geboren und populär geworden, u.a. Macarons in der Form, die wir heute kennen.

Ich habe den Eindruck dass Macarons erst seit etwa 15 Jahren wieder in der Mode für das grosse Publikum gekommen sind. Es kann sogar sein, dass die Erstellung neuer Ketten oder der Verkauf an grossen Firmen dieser traditionnellen Hersteller einen Kick zu dieser Mode gegeben hat. Immerhin: es gilt jetzt als typisch französisch, also nicht verpassen falls ihr bald hinfährt. Meine Empfehlung ist Macarons mit der Mischung aus Himbeer und Erdbeeren und Vanillenkreme, die ist z.B in dieser Kiezbäckerei sehr lecker und preiswert.

Hat vielleicht jemand hier eine Erfahrung mit dem Thema Macarons naschen und/oder Backen?