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Der Mann, der Präsident werden sollte

25April

Erster Beitrag von Lisa über diesen Blog. Lisa hat ein paar extra Wörte zu sich da geschrieben, guck mal rein! Den Text hat sie gut vor der Wahlen geschrieben, ihre Meinung finde ich besonders passend und interessant nach den Wahlen zu lesen...Dass François Hollande Präsident werden kann (und wird) ist eigentlich in sich für viele Leute erstaunlich. Nicht wegen den Ideen, sondern wegen dem Mann, der meistens alles ausser charismatisch wirkt...

Mittwoch, der 12. März 2012, 14.30 Uhr. Ich stehe inmitten von « François Hollande“-Flaggen und Plakaten im Théâtre de Verdure in Nizza und versuche, zwischen all den jubelnden Menschen nicht ganz so doof dazu stehen. Scheint mir nicht wirklich zu gelingen, da mich alle komisch anschauen, weil ich nicht mitgröle.

Allein aus Neugier hatte es mich an diesem sonnigen Nachmittag in den Jardin Albert 1er getrieben. Wenn ich schon keine Wahlkampfveranstaltung in Deutschland besuche, dann kann ich es ja wenigstens mal in Frankreich versuchen, dachte ich mir. Ich wollte sehen, wie François Hollande, der als stärkster Gegner Sarkozys gesehen wird und ihn in den neuesten Umfragen auch in der Stichwahl besiegen würde, hier bei mir in Nizza ankommt und was er überhaupt sagen wird und wie eine Wahlkampfveranstaltung auf französischem Boden abläuft.

Ein Riesen-Pluspunkt war erst einmal die Tatsache, dass wirklich alle in das Freilichttheater reingelassen worden. Es gab lediglich die übliche Security, die die Taschen kontrolliert hat, ähnlich wie bei Konzerten. Es wurde auch kein Eintrittsgeld genommen, niemand musste einen Ausweis zeigen oder Ähnliches. Der Grund wurde dann auch direkt am Anfang der Veranstaltung genannt:

„Ein Kandidat, der Angst vor dem Volk hat, kann kein Präsident werden.“

Wahre Worte, das muss man mal so sagen. Ein gewisses Risiko ging die Sozialistische Partei, die PS, damit allerdings auch ein. Unter den Zuschauern hätten sich Sarkozy-, Le Pen-, Bayrou- etc. Anhänger befinden können und das Meeting ganz schnell ins Negative führen können.

Zunächst fiel mir die musikalische Untermalung auf, die sicher nicht ohne ein gewisses Kalkül eingespielt wurde. Da kamen neben französischen Songs auch spanischsprachige Lieder, die zum Einwanderungskonzept Hollandes passen. Weiterhin handelte es sich ohne Ausnahme um fröhliche, ausgelassene Lieder, von denen das Publikum mitgezogen wurde. Ich finde es allerdings ein wenig fragwürdig, ob François Hollande solche Musik hört, gehört er doch mit seinen 57 Jahren zum etwas älteren Semester. Damit sind wir auch sogleich bei den Zuschauern. Das Meeting fing 14.30 Uhr an, „normale“ Menschen arbeiten zu dieser Zeit und somit war es wenig verwunderlich, dass die ältere Generation mehrheitlich anwesend war. Überrascht hat mich, dass sich viele anscheinend durch Vereine, Parteisitzungen etc. bereits kannten und zum Beispiel Plätze füreinander reserviert hatten. Man kann also nicht unbedingt sagen, dass das „breite, nicht zur Partei gehörende Volk“ anwesend war. Meiner Meinung nach sollte eine solche Veranstaltung aber auch dazu dienen, Unschlüssige von sich zu überzeugen – dieses Gefühl wurde nicht wirklich verbreitet. Mir erschien es eher wie eine parteiinterne Konferenz, bei der sich alle sicher sind, den zukünftigen Präsidenten vor sich zu haben und die sich deshalb dem Volk präsentieren um zu zeigen, wie „toll“ sie sind. Vielleicht ist das auf diesen Wahlkampfveranstaltungen aber immer so und mir kommt es nur fremd vor, weil es mein erstes Mal war.

Als François Hollande dann endlich auf die Bühne trat, war das Publikum außer Rand und Band. Alle klatschten, jubelten und feierten und es hatte den Anschein, als ob alle genau wussten, dass er Präsident wird – und es irgendwie auch schon ist. Die Rede Hollandes fand ich dann nicht besonders „schön“, inhaltlich war sie sehr dürftig ausgelegt und zielte eigentlich nur darauf ab, Sarkozys Politik schlecht zu machen – das Ganze wurde mit Witzen unterlegt, so dass das Publikum etwas zu lachen hatte und Hollande als großer, großer Sieger dastand, der (natürlich) alles besser machen wird und überhaupt, Fehler machen ja nur die anderen. Dieses Gefühl hat er mir gegeben, leider. Hollande hat sich in den höchsten Tönen selbst gelobt und dabei nie vergessen, sich über Sarkozy lustig zu machen. Als vielleicht zukünftiger Präsident sollte man meiner Meinung nach aber Respekt den vorherigen zollen. Und ein Kandidat, der nur rummeckert und andere beschimpft, kann für mich kein Präsident werden. Pardon, François.

Spiel der sieben Familien, Teil 1: Sarkozix

27Februar

Die Familie Sarkozy für die jenigen, die sich nicht genug auskennen.

Ich werde es so pädagogisch wie möglich erklären. Wer, wie, was, aber halt nicht rein politisch gesehen, sonst ist es ja nicht lustig. Ausserdem haben Franzosen Interesse an diesem Spiel der Dynastien, es spielt bei uns sehr wahrscheinlich mehr Rolle als bei den Deutschen...

Es wird also auf diesem Blog der erste Kapitel von 7 Beiträge sein, ein bisschen wie in ''Le Jeu des 7 familles'', ein bekanntes Spiel bei uns, das meistens mit Asterix-Karten gespielt wird. Ich habe vor, mehrere wichtige Politiker so einfach vorzustellen wie es gehen kann.

So, zurück zum Thema Sarkozy, eher gesagt, Sarko:

Wir haben:

  • den Gründer: Pal Sarkozy, der eigentlich aus Ungarn ist. Ein Künstler, dessen Ruhm in den letzten Jahren wieder etwas höher gegangen ist. Selbst mehrmals verheiratet und geschieden, Pal Sarkozy ist meistens der trouble fête. Man muss nicht unglaublich klug sein um zu verstehen, dass er zu offen ist. Meistens erfährt die Presse durch ihn den letzten Quatsch. Cécilia und Carla haben es beide erlebt.
  • die erste Frau von Nicolas, Marie-Dominique Culioli. Eine Frau, die ihm zwei Kinder gegeben hat, Pierre und Jean. Die Frau hat ihm stark unterstützt, allerdings ist die Ehe nach 8 Jahren heimlicher Beziehung von Sarkozy mit Cécilia, eine Freundin von Marie-Dominique, gescheitert.
  • die vorletzte Frau, Cécilia. 1996 verheiratet, gibt sie Sarkozy noch einen Sohn, Louis. Cécilia gilt als die starke Frau hinter der Bühne. Nur durch ihre Hilfe hat Sarkozy soweit gehen können. Laut den Rumor handelt es sich nicht nur um das übliches Bild des starken Paars sondern auch um Hilfe bei der politischen Organisation. In den letzten Jahren der Ehe sind verschieden Gerüchten enthüllt worden. Cécilia hätte willkürlich bis Ende der Wahlkampfen gewartet um sich scheiden zu lassen.
  • die letzte Frau, Carla, geboren in Italien und Mitgliederin einer bekannten Familien von Künstlern und Musikern. Ihre Schwester ist die Schauspielerin Valeria Tedeschi. Carla, ein ehemaliger Modell, eine (immer noch) Sängerin, hat bis kurz vor dem Wahlkampf von 2007 die sozialistische Partei stark unterstützt. Die Nachricht, dass sie Sarkozy heiraten würde, war ein bisschen wie Blitz im blauen Himmel für die linken Parteien. Carla Sarkozy war früher mit Jean-Paul Enthoven, ein berühmter Lektor, zusammen. Sie ist aber irgendwie mit seinem Sohn Raphäel geraten und hat ihm ein Kind gebärt. Sarkozy habe sie erst November 2007 kennengelernt. Sie heiraten drei Monaten später. Die kleine Giulia, die letztes Oktober geboren ist, wird von Carla als ein Wunder beschrieben, so sehr sie es nicht erwartet habe. Viele gehen aber davon aus, es ist etwas zu zeitgünstig gewesen (kurz vor den nächsten Wahlen) um wahr zu sein.
  • den Sohn und Nachfolger, Jean. Jean hat alles, um durch den Klischee von fils de oder fils à papa beschrieben zu werden. Mit dem Ergebnis, dass er stets dagegen kämpfen soll. Jean hat schon mehrere politische Verantwortungen entgegen bekommen und dafür auch ein paar Google Bombing Angriffe gehabt.
  • den Mann selbst, Nicolas Sarkozy. Er wirkt mit seinem jungen Alter (für einen Präsident) etwas verständlicher als alle andere Dinausoren der Politik die irgendwie immer da waren. Auf der anderen Seite bedeutet das auch, er hat Interesse für Bling-bling. Accessoiren, die kein anderer Politiker benutzten würde. Teure, klasse Sonnenbrillen z.B. Rollex Uhren. Der Mann ist auch eine Ausnahme da er nicht den üblichen Gang der Politiker genommen hat. Er hat nur Jura studiert. In der ENA, die Schule wo alle gehen und zusammen studieren bevor sie sich auf der politischen Bühne in aller Öffentlichkeit hassen können, war er nicht. Privat ist er auch für ziemlich leichten Ärger bekannt.

Nächstes Mal erzähle ich sehr wahrscheinlich von der Wichtigkeit von Anne Sinclair für den Aufstieg von Strauss-Kahn. Mal sehen...

Kinogedanken- 4 Schauspieler die man kennen soll

13Februar

Ich hatte hier seit einer guten Weile nichts mehr über das Thema Kino und Fernsehen geschrieben. Da ich aber nach der letzten Enthüllung über Tatort ziemlich schockiert bin (Til Schweiger drin), ist mir was wichtiges eingefallen. Kann man auch innerhalb einem eigenen Satz zusammenfassen:

Jedes Land hat zumindest einen Schauspieler, der nervt.

Ich meine nicht "nerven" im Sinne von leicht irritieren. Ich meine "nerven" im Sinne von denken "ach den da schon wieder". Wenn man zu viel von jemandem sieht, weiss man eben nicht mehr so richtig, ob es sich überhaupt lohnt, diese Person zu sehen. Das ist ja ein Teufelkreis. Das Wort "Kino" ist hier für mich mit einem einzigen Namen verbunden: Til Schweiger. Wie immer er gut spielen kann (wobei meine Meinung nicht mehr so neutral ist), wie immer angenehm er sein kann (...), macht es mich fertig, immer auf ihn zu stössen. Fühlt sich ein bisschen wie Mobbing an. Wenn er wenigstens schlecht aussehen könnte.

Zum Glück haben wir jetzt die Berlinale. Da kann man sich andere Gedanken machen, wer spielen kann, und wen Frau gucken möchte.

Gut, jetzt sind Franzosen dran. Wir haben auch unseren Schauspieler, die nerven. Bei uns gibt es grundsätzlich ein paar Namen. Besser ist, wenn man den Background kennt. Also los:

1- Gérard Depardieu.

Am Tag wo er nicht mehr spielt, werde ich mich wie beim Tod des Michael Jacksons fühlen: leer.

Depardieu, geboren 1948, kann man nicht nur ins Kino sehen, sondern auch ins Theater und an Fernsehen. Für mich ist seine Existenz ein bisschen wie die von einem Mammuth: unübersehbar, jedoch etwas verwirrend. Auch mit Herzenproblemen seit ungefähr meiner Geburt ist der Depardieu immer noch überall. Wenn jemand es doch schafft, Depardieu unbewusst zu sein, dann hört er von ihm in Fragen von Politik oder Klatsch. Ein paar Beispiele zum Thema Politik: anfangs seiner Karriere war er für die sozialistische Partei. 2002 rettet er die finanzielle Lage der kommunistischen Partei, an die er, laut seinen eigenen Wörter, heftig glaubt. 2007 unterstützt er kräftig Sarkozy. Das ist ja konsistent. Im Privatleben hat er sich natürlich mehrmals heiraten und scheiden lassen. Der Mann hat mehrere Kinder bekommen, unter denen man Julie Depardieu nicht vergessen soll. Denn sie tut auch ziemlich viel, spielen und für Klatsch sorgen.

Wichtigste Rolle bis jetzt:



- Jean de Florette (1986)

- Cyrano von Bergerac (1990)

- Der Graf von Monte-Christo (1998, Fernsehen)

Bald soll Gérard die Rolle von Dominique Strauss-Kahn spielen- den Skandal von letztem Jahr dürfen wir sogar im Kino sehen gehen.

2- Marion Cotillard.

In dem Fall ist es doch ein bisschen anders. Über die Frau hatte ich schon etwas gemeckert. Punkt A, ich verstehe sie nicht immer, vor allem wenn sie sich auf Französisch ausdrückt. Punkt B, sie ist schön und das nervt, auf sie auch bei den Bildern an der Bushaltestelle zu stössen. Punkt C, sie taucht auf Zeitschriftencover auf, mit Schlagzeilen zum Thema dick ohne Komplexe:

Wenn ich nur so dick sein könnte. Dann wäre ich vielleicht auch mit Guillaume Canet zusammen. An ihrer Stelle.

Wichtigsten Rollen:

- Taxi, 1998. Der Film war damals ein Hit bei der Jugend. Selbst ich war bezaubert (von dem Film).

- La Môme, 2007. Die Rolle von Piaf. Von mir nicht gesehen, dafür ist es hier in DE ganz gut vorgestellt worden.

3- Romain Duris

Im Gegensatz zu anderen bekannten Schauspieler finde ich seine Leistung ziemlich gut. Nur dass er ein bisschen immer in den selben Rollen auftaucht. Oder ich gucke nicht genug von seinen Filmen, wer weiss. Immerhin gilt er in den letzten Jahren als typisch Französisch.

Wichtigsten Rollen bis jetzt:

- L'Auberge espagnole, 2002

- Paris, 2008

- L'Arnacoeur, 2010

Privat ist Romain Duris ganz diskret, das ist gut so. Er ist dafür bekannt worden, anfangs nicht so motiviert für seine Arbeit gewesen zu sein. Jedoch hat er seit 2001 über einen Millionen französischen Zuschauern zum Kino gebracht.

4- Mélanie Laurent

In ihrem Fall sind die Meinungen sehr unterschiedlich. Manche meinen, sie spielt sehr gut, andere eben das Gegenteil. Sicher ist, sie hat Erfolg und ist fast überall zu sehen, auch wenn sie nur 26 ist. Depardieu habe sie als erster in einem Augenblick als Schauspielerin erkannt.

Wichtigsten Rollen:

- Je vais bien ne t'en fais pas, 2006. Keine Ahnung wie dieser Film sich auf Deutsch nennt, würde ich aber auf jedem Fall empfehlen. Das ist eine sehr schöne Geschichte über die Beziehungen zwichen Zwilligen!

- Inglorious Bastards, 2009

- Le Concert, 2009

Irgendwann schreibe ich hier einen Beitrag zum Thema unvermeidbaren Schauspieler, bzw. die jenige die mich gar nicht nerven, sondern die, die ich als wirklich sehr gut finde. Alles kann man nicht in einem Beitrag schreiben. Habt ihr vielleicht einen Namen im Kopf, von jemanden der angeblich in allen fr. Filmen zu sehen ist? Mich würde es schon interessieren zu wissen, wer als Klischee von Franzosen vorkommt :)

Autorempfehlung: Fred Vargas und die Adamsbergserie

30Oktober
Vargas-die-dritte-Jungfrau

In Frankreich ist der letzte Roman von Fred Vargas anfangs September herausgegeben worden. Es ist wie immer ein köstlicher Krimi, bei dem man ungern beim Lesen gestört wird. Adamsberg und seine kleine Welt lassen einen sich wirklich reinlesen. Vor allem sind die Dialogen ein Meisterwerk: dynamisch, zynisch, realistisch, spannend.

Worum es geht, für alle, die Fred Vargas bereits noch nicht kennen: in Paris versucht der Komissar Adamsberg ein Team zu führen, das aus mittlermässigen Politzisten besteht. Seine Methode sind eigenartig, dafür hat er Ergebnisse, die anderen schon neidig machen können. Seine Untersuchungen führen ihn oft dazu, mit Legenden und übernatürliche Gerüchte umgehen zu müssen, während seine Untergesetzte gegeneinander was unternehmen wollen. Ein Band nach einem anderen geniesst man diese Mischung zwischen dem Alltag eines Politzisten und aussergewöhnlichen Kriminaltaten.

Das letzte Buch, L'Armée furieuse, ist meiner Meinung nach noch besser als der vorletzte- hier Der Verbotene Ort. Diesmal wird Adamsberg aufgerufen, um einen vermissten Mann zu retten, der laut einer Legende bald ermordert werden soll. Drei anderen Mordfälle sollten folgen, und der zuständige Kommissar vom Ort will davon nichts wissen...etwas drängt Adamsberg vorbeischauen zu gehen, und eine geheime Untersuchung mitten in der Normandie anzufangen.

In Deutschland sind bis jetzt alle Romane von Vargas, so weit ich weiss, von dem Aufbau Verlag in einer hervorragender Art herausgegeben worden. Der Verlag gibt auch manche Titeln von Danielle Thierry heraus, was ein sehr gutes Zeichnen für Krimi sein soll- meinetwegen, zwar. Man kann nur hoffen, sie machen weiter mit der tollen Arbeit.

Vargas-die-dritte-Jungfrau

Dieses Cover und alle bestehende Rechten sind hier zu finden.

Es ist nicht einfach einen Autor zu finden, der in allen Ländern Erfolg hat, und zwar aus guten Gründen. Nämlich haben wir alle andere Erwartungen, und es lässt sich ganz gut ahnen wenn man sich die Mühe gibt die Bestsellers von einem Land bis einem anderen zu gucken. Was Deutschland und Frankreich betrifft: grob gesagt mögen Franzosen Büchern wo man ganz viel denkt, und Deutsche Büchern wo ganz viel los ist. In den letzten Jahren hat sich in der Tat die französische Literatur in der Richtung entwickelt, dass man sehr viel analysiert. Im Sinne von Psyschée, von Gefühlen, von Gedanken. Man redet da viel von Traumatismus, von Angst, manchmal auch von unglaublichem Glück. Sieh z.B Musso. Ca dégouline de bons sentiments...kein Wunder dann, dass sich hier in Deutschland vor allem französischen Krimis verkaufen lassen.

In dem Sinne...ich bräuchte ein neues Buch!

Französicher Humor: Les Inconnus

10Februar

Mir fehlt was wichtiges jedoch verzichtbares hier: der französischer Humor. Humoristen gibt es hier schon, klar, aber irgendwie ist es nicht wie früher. Früher hatte ich nämlich immer die Möglichkeit, mit irgend einem Kumpel Videos von Les Inconnus zu gucken, Anne Roumanov, Pierre Palmade und Michelle Laroque oder Florence Foresti an der Radio zu hören, Les bronzés font du ski ("un film culte" der 80en) am einem kalten Sonntag zu Hause zu gucken und mich kapputt zu lachen. Jetzt kann ich es aber mit kaum einem teilen: ich lache zwar ganz viel mit anderen Menschen wegen verschiedenes, aber mit den deutschen Humoristen immer dessen bewusst, dass es nicht wirklich gemeinsames Lachen ist.Ob ich genau für den selben Grund lache wie die andere? Bin mir nicht unbedingt sicher. Heute hab ich also Lust, Les Inconnus vorzustellen. Ich habe gerade eine kleine Stunde damit verbracht, ihre Videos über Youtube zu gucken...der absolute Hammer für uns!

Worum geht's genau? 1984 hat sich eine Gruppe von Humoristen gebildet, die bald einen riesigen Erfolg kennen. Die spielen immer zu dritt, singen, ahnen mehrere Fernsehsendungen oder Lieder nach, und werden zur bekanntesten französischen Humoristengruppe allerzeiten (oder vergesse ich jemanden da...?). 1991 wird sogar der Lied Auteuil, Neuilly Passy zum Hit, so lustig ist er.1995 spielen sie gemeinsam im Film Les trois frères, das immer wieder noch in den Konversationen im Freundkreis auftauchen wird. Ein kleines Willkommen bei den Schti's, so zu sagen.

Leider dürfen aus rechtlichen Gründen die drei Mitglieder jetzt nur noch begrentzt zusammen spielen. Es bleibt aber eine Menge Sketche übrig, die man bei Gelegenheit immer gerne gucken kann. Ich würde die auf jedem Fall empfehlen für die jenige die unsere Kultur von innen verstehen wollen, man muss leider dafür die Sprache schon ein bisschen verstehen können. Les Inconnus spielen kleine Rollen. Sie spielen den mittelmässigen Franzosen, der ungern das Wort Fisc (Steuer) aussprechen will. Den naïven Typ, der von anderen ausgenützt wird. Den Schwachsinn vom Einkaufen und Schlange stehen, obwohl man nur was ganz kleines hat und darauf verzichten könnte. Oder sogar das Unverständnis der französischen Revolution in den Schulen. Unsere Widersprüche sind wirklich alle da.

Als Beweis habe ich ein kleines Video extra ausgesucht. Da machen sie einen Trailer nach- man braucht dafür kein Wort französisch zu verstehen, es sei denn, man will auch die Untertitel verstehen (und ja, sie bedeuten was völlig anders als der Inhalt...)

Typisch 90er Jahren, aber sooo richtig. Na, wenn man sowas sieht, überlegt man sich nachher wirklich, was wir Zuschauer von einem Film erwarten, oder?