Erster Beitrag von Lisa über diesen Blog. Lisa hat ein paar extra Wörte zu sich da geschrieben, guck mal rein! Den Text hat sie gut vor der Wahlen geschrieben, ihre Meinung finde ich besonders passend und interessant nach den Wahlen zu lesen...Dass François Hollande Präsident werden kann (und wird) ist eigentlich in sich für viele Leute erstaunlich. Nicht wegen den Ideen, sondern wegen dem Mann, der meistens alles ausser charismatisch wirkt...

Mittwoch, der 12. März 2012, 14.30 Uhr. Ich stehe inmitten von « François Hollande“-Flaggen und Plakaten im Théâtre de Verdure in Nizza und versuche, zwischen all den jubelnden Menschen nicht ganz so doof dazu stehen. Scheint mir nicht wirklich zu gelingen, da mich alle komisch anschauen, weil ich nicht mitgröle.

Allein aus Neugier hatte es mich an diesem sonnigen Nachmittag in den Jardin Albert 1er getrieben. Wenn ich schon keine Wahlkampfveranstaltung in Deutschland besuche, dann kann ich es ja wenigstens mal in Frankreich versuchen, dachte ich mir. Ich wollte sehen, wie François Hollande, der als stärkster Gegner Sarkozys gesehen wird und ihn in den neuesten Umfragen auch in der Stichwahl besiegen würde, hier bei mir in Nizza ankommt und was er überhaupt sagen wird und wie eine Wahlkampfveranstaltung auf französischem Boden abläuft.

Ein Riesen-Pluspunkt war erst einmal die Tatsache, dass wirklich alle in das Freilichttheater reingelassen worden. Es gab lediglich die übliche Security, die die Taschen kontrolliert hat, ähnlich wie bei Konzerten. Es wurde auch kein Eintrittsgeld genommen, niemand musste einen Ausweis zeigen oder Ähnliches. Der Grund wurde dann auch direkt am Anfang der Veranstaltung genannt:

„Ein Kandidat, der Angst vor dem Volk hat, kann kein Präsident werden.“

Wahre Worte, das muss man mal so sagen. Ein gewisses Risiko ging die Sozialistische Partei, die PS, damit allerdings auch ein. Unter den Zuschauern hätten sich Sarkozy-, Le Pen-, Bayrou- etc. Anhänger befinden können und das Meeting ganz schnell ins Negative führen können.

Zunächst fiel mir die musikalische Untermalung auf, die sicher nicht ohne ein gewisses Kalkül eingespielt wurde. Da kamen neben französischen Songs auch spanischsprachige Lieder, die zum Einwanderungskonzept Hollandes passen. Weiterhin handelte es sich ohne Ausnahme um fröhliche, ausgelassene Lieder, von denen das Publikum mitgezogen wurde. Ich finde es allerdings ein wenig fragwürdig, ob François Hollande solche Musik hört, gehört er doch mit seinen 57 Jahren zum etwas älteren Semester. Damit sind wir auch sogleich bei den Zuschauern. Das Meeting fing 14.30 Uhr an, „normale“ Menschen arbeiten zu dieser Zeit und somit war es wenig verwunderlich, dass die ältere Generation mehrheitlich anwesend war. Überrascht hat mich, dass sich viele anscheinend durch Vereine, Parteisitzungen etc. bereits kannten und zum Beispiel Plätze füreinander reserviert hatten. Man kann also nicht unbedingt sagen, dass das „breite, nicht zur Partei gehörende Volk“ anwesend war. Meiner Meinung nach sollte eine solche Veranstaltung aber auch dazu dienen, Unschlüssige von sich zu überzeugen – dieses Gefühl wurde nicht wirklich verbreitet. Mir erschien es eher wie eine parteiinterne Konferenz, bei der sich alle sicher sind, den zukünftigen Präsidenten vor sich zu haben und die sich deshalb dem Volk präsentieren um zu zeigen, wie „toll“ sie sind. Vielleicht ist das auf diesen Wahlkampfveranstaltungen aber immer so und mir kommt es nur fremd vor, weil es mein erstes Mal war.

Als François Hollande dann endlich auf die Bühne trat, war das Publikum außer Rand und Band. Alle klatschten, jubelten und feierten und es hatte den Anschein, als ob alle genau wussten, dass er Präsident wird – und es irgendwie auch schon ist. Die Rede Hollandes fand ich dann nicht besonders „schön“, inhaltlich war sie sehr dürftig ausgelegt und zielte eigentlich nur darauf ab, Sarkozys Politik schlecht zu machen – das Ganze wurde mit Witzen unterlegt, so dass das Publikum etwas zu lachen hatte und Hollande als großer, großer Sieger dastand, der (natürlich) alles besser machen wird und überhaupt, Fehler machen ja nur die anderen. Dieses Gefühl hat er mir gegeben, leider. Hollande hat sich in den höchsten Tönen selbst gelobt und dabei nie vergessen, sich über Sarkozy lustig zu machen. Als vielleicht zukünftiger Präsident sollte man meiner Meinung nach aber Respekt den vorherigen zollen. Und ein Kandidat, der nur rummeckert und andere beschimpft, kann für mich kein Präsident werden. Pardon, François.