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Clichés, clichés

Cliché, typisch, das sind zwei Wörte die ganz gut verwirren können. Der Grund? Tja, gleichzeitig stimmen sie und gleichzeitig sind sie komplett falsch!

Was ist eigentlich ein Klischee, err, cliché? Auf Französisch, wenn auch nicht auf Deutsch, ein altes Wort für eine Fotografie. Es lässt einen an der Vergangenheit denken, wo Leute sich gar nicht bewegen sollten, Minuten oder Stunden lang, so sehr das Bild in sich eine zerbrechliche Kunst war. Ein Bild das eigentlich nur einen Moment vom Leben ertappen sollte, teilte das Gegenteil mit: wer das Bild einmal sah, könnte nur eine sehr geringe Idee von der Person haben. Statisch und elegant galt diese Person für die jenigen die das Bild sahen. Von daher hat dieses Wort bis heute noch diese doppelte Bedeutung. Es gilt als richtig und falsch. Ähnlich wird es für das Wort typisch.

Mir scheint es aber wirklich oft vor, dass jemand der sich gar nicht auskennt das Wort typisch schamlos benutzen wird. Das habe ich damals in Frankreich Deutschen gegenüber auch bemerkt. Klischee gingen dann in die Richtung Bier, Weisswurst, Fussballfan, reich sein, BMW, Birkenstock, Kuchen am Sonntag. Was für eine wilde Mischung wenn ich nur daran denke.

Typisch sei es hier laut Deutschen für Franzosen, romantisch, politisch bewusst und elegant zu sein. Und wenn jemand das eben nicht ist, dann werden doch Leute meinen, er hat diese Eigenschaften oder Charakterzügen. Manchmal frage ich mich ob wir die selben Personen vor den Augen haben. Einmal ist es mir sogar gefragt worden, was ich als Französin beim Kochen zaubern könnte. Ich kann eigentlich nicht vieles kochen. Diese Antwort ist aber mir nicht wirklich geglaubt worden. Und zum Thema Frauen: Französinnen brauchen vielleicht nur bekannt zu machen, woher sie stammen. Dann werden einfach alle ihre Klamotten, wenn auch nur alte Jeans, und Lächeln fairefurreurische, wie wir das so schön aussprechen. Das ist Zauberei.

Dagegen gilt wahrscheinlich der Franzose als ein Rebell, der sich dazu noch ungern mit den Ausländern einmischen will. Oder so, wenn ich diese Bemerkungen richtig mitgekriegt habe. Und die Tatsache dass ich mich ab und zu dagegen ärgere, je laut Formulierung der Aussage, wird ein Land nicht ändern.

Was richtig und falsch dadrin ist, ist im Grunde genommen schwierig zu erkennen. Ich bin nicht neutral, weder seid ihr das. Ist auch logisch. Aber wir wissen alle das nicht alles für alle stimmen kann. Wie z.B ich und kochen. Passt nicht zusammen.

Dafür gibt es ein paar Bemerkungen zum Thema kleinen Abendteuer der Franzosen in Deutschland, die man in aller Neutralität machen kann und die ich hier kurz vorstellen wollte. Die Idee ist durch welche Sammlungen von der deutsch-französischen Gemeinschaft und persönlicher Erfahrungen gekommen, vielleicht gibt es noch was das man irgendwann dazu hineinfügen kann...

Also, welche Bemerkungen können dazu führen zu denken, da hat man einen Franzosen unter den Augen, der von den deutschen Sitten komplett verwirrt ist?

- der merkert über seine Bank. Stets. Versteht nicht wie das gehen soll. Es fängt mit dem Automat an (soll man ja erkennen, alle haben nur einen bestimmten Zweck) und endet mit der ewigen Klage gegen die Abwesenheit von unseren beliebten chèques in diesem Land. Jahren nachher jammern die selben immer noch drüber. Egal wie viele Sitzungen sie beim Berater gehabt haben und wie oft sie die Bank gewechselt haben.

- der Franzose überquert die Strasse beim roten Ampel für Fussgänger, dreht sich dann um als ob er überprüfen wollte dass alle andere tatsächlich immer noch da stehen und warten wie arme Seelen. Obwohl es kein Auto innerhalb von zwei Kilometer zu sehen gibt.

- im Restaurant fragt er immer wieder nach Brot (kostenlos, ach) und Wasser (aus der Leitung bitte schön!!!). Manchmal versucht er sogar zu verhandeln oder erklären inwiefern er nur Leitungswasser und weiss Brot haben will. Ihm ist es halt sehr wichtig. Arme Dienstleute...

- der Tourist sowie der Ausgebürgerter wundert sich immer wieder vor dem Sonnenuntergang über die Resten der Mauer. Das muss eine nationale Marotte sein, soche Fotos zu ziehen und sammeln:

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- eine Französin mit Kind will arbeiten, unbedingt. Vollzeit. Das Wort Rabenmutter wird nicht übersetzt und das Wort mère au foyer ist eben oft schlimmer für sie. Dass alle sie hier schlecht ansehen, ist ihr nicht egal. Sie sieht das im Gegenteil als ihre Art, eine moderne Frau zu sein und wird mit der Kritik nur fleissiger.

- Aldi, Lidl und Netto sind für die neulich angekommenen Franzosen in Deutschland etwas wie ein Wunder. Der Grund: man kann da Tabak kaufen!

- Der Kunde, der sich nervt als er sein Schokocroissant kriegt, ist Franzose. Er meinte eher das Schokobrötchen (pain au chocolat). Wenn er das dreimal in der Woche tut, ist er neulich da. Das nimmt eben Zeit, den Unterschied zu verstehen.

- die H kann er nie spontan aussprechen? Ahhhhhhhhhh, ahhhh, Haltestelle. Franzose!!!

- Er ist auch der jenige der um 9:04 für 9:00 ankommt. Weiterer Hinweis: wenn zwei Leute um 09:04 zusammen ankommen, entschuldigt sich der erfahrene Franzose immer als erster. Die Schuldgefühle hat er wenigstens schon.

- Wenn nur eine Person zwischen 9:04 und 18:04 arbeitet während alle andere von irgendwann vor 7:00 oder 8:00 bis ca 16:00 arbeiten, dann kann man nur davon ausgehen, das ist er.

- Manchmal nervt sich die Französin ganz laut. Das kann sogar richtiger Wut werden. Aber dann meinen ganz viele: Du bist soooo süss und sie wird noch röter vor Ärger._.

- Eine Frau, die hier glaubt sie kann gleichzeitig adrett und hochintelligent sein, hat hohe Chance Französin zu sein. Das schlimmste dran ist wahrscheinlich dass es für sie in der Tat einfacher wird, dieses Glauben zu behalten. Sie ist ja DIE Französin ihrer Gruppe. Keine Wahl.

- Frauen sowie Männer verstehen gar nix zum Thema Liebe und Beziehungen laut lokaler Bevölkerung. Sie beschweren sich, schreiben Bücher, gehen eine Weile davon aus sie sind hässlich geworden, haben Sehnsucht nach einem richtigen Flirt oder sogar Anbaggern, greifen dann wieder die Initiativ.

- Regelmässig vergisst der Franzose er braucht eine Kopie der Anmeldung um leben zu können. Wenn einer stundenlang in einem Wartenzimmer seine Zeit verliert und dann erst bei dem Ansprechspartner versteht, er hat nicht alle Anliegen dabei, das ist er. Arme Sau.

- nach einer gewissen Zeit sind Frauen sowie Männer davon herzlich genervt, dass jemand (immer die selben) jahrelang ihren französischen Akzent jeden Tag lobt. Dann wird eben jede Erwähnung eines Akzents verboten. Isch habe doch keinen Ak'cen!!!

Also gut, mehr fällt mir gerade nichts mehr ein. Aber es gibt auf jedem Fall noch mehr das man merken kann. Wenn jemand Ideen hat, dann einfach kommentieren;)

Das Rätsel der Französin ohne Akzent?!

Heute wieder das Thema Akzent, diesmal aber auf einer persönlichen Ebene.

Ich habe es nämlich endlich geschafft, mich dazu zu entscheiden, einmal bei der Logopädierin aufzutauchen um eine Meinung über meine Stimmprobleme insgesamt zu kriegen. Ich hasse es eigentlich, einen Akzent zu haben, und auffällig zu sein- das versteht hier keiner, ich weiss. Seit Jahren habe ich versucht, den blöden Akzent unterzudrücken. Die Logopädierin ist dafür heute der festen Meinung gewesen, ich hab doch keinen Akzent. Genauer gesagt: technischerweise, gar keinen, sondern nur Sprachprobleme. Praktisch meint sie, meine Aussprache klingt weder Deutsch noch Französich: ich rede einfach, ohne Deutsch zu klingen, aber ohne unbedingt Französin zu klingen. Und das nach zwei profi Testen. Franzosen, laut ihr, haben ganz viele Probleme die bei mir nicht auftauchen. *gleichzeitig sehr stolze, sprachlose und SEHR ungläubige Paulette.*


Hier erstmal die Konversation, die ist noch frisch:

Logopädierin: Also, ich hab drei Probleme bemerkt, aber irgendwie ist es sehr seltsam. Erstens, Sie haben gar keine Betonung wenn Sie auf Deutsch reden. Heiss, Sie reden praktisch flach, im Gegenteil von Franzosen die am Ende des Satzes systematisch betonen und dann leiser reden. Und im Gegenteil von Deutschen, die normaleweise den ersten Teil der Wörten betonen.

Paulette: Wie? Kann man es so machen, dass der Satz überhaupt nicht betont wird? Mach ich das? Echt? |stellt sich gerade vor, sie kann mega langweilig auf Deutsch sein. Denkt darüber nach|

Logopädierin: Ja. Ich vermute mal, Sie haben es spontan mitgekriegt, dass der Rythmus des Satzes auf Deutsch anders lautet und haben es geschafft, die französische Betonung rauszupacken. Das heisst aber nicht, dass Sie es wie Deutschen reden, weil Sie gar nicht betonen. Ein Wort mit drei Silben sprechen Sie ganz flach aus. Jede Silbe gleichgültig, so zu sagen.

Paulette: ... |Ja klar habe ich es bemerkt und unterdrückt. Habe sogar es hier schon hinter den Zeilen erwähnt!|

Logopädierin: Problem Nummer zwei. Sie haben eine leichte Stossstörung allgemein. Diese Störung taucht auf Deutsch häufiger, weil die Sprache sie öfter aufruft. Nämlich ist das "ch", "sch" usw. schwierig für Sie, weil Ihre Zunge die falsche Muskulatur hat.

Paulette: Ich vermute mal also, das wird sehr schwierig zu korrigieren.

Logopädierin: Eigentlich nicht. Es wird sogar viel leichter als die Betonung sein. |Bin mir nicht sicher, ich hab das mit der Muskulatur der Zunge richtig verstanden...war dafür so verwirrt|

Logopädierin: Problem Nummer drei, sie lassen das Ende der Wörter fast jedes Mal quasi verschwinden.

Paulette: Ja, ich weiss. Also: ich vermute mal, ich weiss. Ist doch Absicht: ich habe keine Ahnung von Pluralformen. Ausserdem ist schnell reden praktischer um Fehler zu verbergen!

Logopädierin: Ahja. Ich verstehe schon.

Paulette: ...Aber...Err...Wenn ich das zusammenfasse, errr, was Sie gerade gesagt haben, es heisst praktisch...dass ich akzentenlos rede? Also ich meine, technicherweise könnte ich auch Japanerin sein und genau so reden?

Logopädierin: Ja, das ist genau richtig. In anderen Wörtern hat Ihre Herkunft meiner Meinung nach gar keinen Einfluss über Ihre Sprachweise. Ausser von Momenten, wo Sie Müde sind oder geärget sind, was wohl eine andere Sache ist. Man spricht da spontan wie bei sich

Paulette: ...

Logopädierin:...


Was ich gelernt habe: A, dass ich den Akzent soweit es geht von mir selber rausgenommen habe *Feuerwerk, Stolz, Tränen, Emotion*. B, dass ich vielleicht irgendwann es spontan schaffen werde , die Betonung richtig auszusprechen. Ist eigentlich auch möglich, falls es mir doch durch den Schädel kommt, hier endgültig zu bleiben. Aber Übungen extra dafür sind ganz viel Aufwand, jetzt dass ich mich daran gewönht habe, gar keine Betonung zu benutzen. C, dass ich einfach Pluralformen endlich mal doch lernen soll und daran denken soll, sie nicht mehr verschwinden zu lassen. D: die Stossstörung kann ich sehr schnell loswerden. 3, 4 Behandlungen sollten den Trick machen.

Jetzt bleibt also die Frage, die ich ihr gestellt habe, und worauf ich keine Antwort gekriegt habe: wieso werde ich systematisch als Französin anerkannt? Von der reinen Theorie her, sollte sich der Ansprechspartner erstmal fragen, ob ich vielleicht doch aus Polen, Uruguay oder Himmel und was immer bin. Gibt es denn eine Aura, die mir folgt? La Marseillaise als Begleitungsmusik, eine Baguette auf der rechten Wange und einem Camembert auf der linken Wange gemalt vielleicht...? Es stimmt schon, dass eine handvoll Leute es mir gesagt haben, man könnte es manchmal nicht mercken. Das hatte ich aber als reiner Kompliment genommen und nicht weiter darüber nachgedacht. Also wenn so viele mir das Gegenteil sagen, spontan damit anfangen, auf Französich zu reden, tolle Sätze wie "ah, Du bist Französin? Wie schön! Ich liebe Baguette!" sagen und wenn ich so viele "Abendteuer" mit dem Akzent gehabt habe...? Ich kann es einfach nicht glauben.

Meine Vernunft sagt mir: es muss was mit dem frühen Einlernen von der Sprache zu tun haben. Ich freue mich zögerlich doch, es ist schön :) Ich lasse also erstmal das mit der Behandlung des Akzenten liegen und konzentriere mich auf einer anderen Sprachstörung, nämlich lauter Redeweise. Und ich kann vernünftig hoffen, ich werde mich irgendwann doch eindeutschen, auch wenn sie nicht unbeding 100% richtig ist.

Rund um den französischen Akzent

Laut mehreren Studien und laut der Mehrheit der Deutschen, die ich kenne, ist der französischer Akzent was Süßes. Sogar 36% der Deutschen sind der Meinung, er sei der beste fremdsprachige Akzent auf Deutsch. Und viele Franzosen, die Deutsch oder sogar Englisch lernen, meinen "Mein Akzent ist doch sexy!"

Ich habe es etwas untersucht und bin auf mehrere Studien gestoßen, die erklären -teilweise leider- warum wir so reden:

  • Ein wichtiger Teil des Problems besteht darin, dass der Rhythmus und die Intonation eines Satztes auf Französisch anders als auf Deutsch lauten. Französisch ist nämlich eine Sprache wo man am Ende des Satztes leiser sprechen soll. Der Sinn ist sowieso schon vorher rausgekommen, da die Struktur des Satzes es bevorzugt, die wichtigesten Sachen am Anfang zu sagen. Auf Deutsch ist es genau das Gegenteil: mit dem Satzbau soll man unbedingt die letzten Silben korrekt und deutlich aussprechen, sonst läuft man Gefahr, missverstanden zu werden. Es sei denn, man bastelt spontan den Satz wie auf Französisch.
  • Menschen, die nach dem Alter von 12 eine Sprache lernen, egal wie viele Jahre, sind davon häufig unfähig, Silben in der Zielsprache schnell benutzen zu können, auch wenn sie den Unterschied selber erkennen können. Heiss: im Rahmen einer spontanen Konversation wird einfach das Gehirn die Silben benutzen, die ähnlich klingen auswählen. Es ist ein Problem der Geschwindigkeit: sollte einer eine auswendige gelernte Rede halten, könnte er theoretisch akzentfrei reden. Das Gehirn packt einfach die Silben der Zielsprachen in der selben Gruppe wie die von der Muttersprache und ist im Stress Situationen nur dessen fähig, die von der Muttersprache auszurufen. Es sei denn, man hat früh genug angefangen, die Sprache zu lernen.
  • Um ein Wort aussprechen zu können, muss man eine gewisse Gesichtmuskulatur entwickelt haben. Ja ja: es klingt als ob wir mit Sport für Gesicht einen Akzent verbessern könnte...Mal den Lokopädier irgendwann fragen :). Es gibt sogar Menschen, die nach einem Unfall oder einem Gesundheitsproblem gewisse Sprachstörungen kennen: sie reden plötzlich mit einem Chinesischen, Russischen oder Französischen Akzent.. Ihr sollt mal bloss aufpassen, ja? Sonst redet ihr so:

Bevor man Akzentfrei reden kann, soll man auch eine perfekte Grammatik beherrschen... Ahem, ahem. Ich lese diesen Beitrag noch einmal durch.