Bei mir liegt immer noch der Osterhase rum. Ich habe sie nicht gefressen, das ist ein Wunder, das sich dadurch erklärt, dass ich schon so viel weitere Süssigkeiten esse sie so süss wirkt...Der jenige, der Design für die Verpackung von Osterhasen macht, sollte vielleicht auch an mich, Paulette I., denken. Ein Mensch, der Süssigkeiten in normaler Zeit frisst, der aber einen grossen Tendenz hat, alles was klein, farbig und putzig ist als süsses zu bezeichnen: wie soll er drauf kommen, mehr davon zu kaufen? Das Ergebnis der Verpackung ist, das Zeug liegt wochenlang in verschiedenen Orten in der Wohnung, wo es quasi als "it" Deko-zeug wahrgenommen wird. Es hat was merkwürdiges an sich, andere haben dafür vernüftige Blumen. Als Beweis:

Osterhase- alleine

Der Hase, rot auf weissen Hintergrund, splendide...

Osterhase

Und der Hase nochmal, im Küchenregal, splendide. Ein guest-star, quasi.

Ich vermute mal, er wird doch nicht so lange halten. Vor allem, wenn man weiss, dass so viele von seinen Geschwistern jetzt nur noch zum halben Preis verkauft werden. Ich sag es mal nur so, bin aber gespannt.

Eigentlich, wie der Titel dieses Beitrags es deuten lässt, sind Osterhasen nicht das einzige was bei mir rumliegt. Und nein, die Schokoeier habe ich schon weggenascht. Es ist eine Glocke. Ja ja: eine Glocke aus Schokolade. Guckt mal, die habe ich gerade aus der Packung genommen, ich habe nämlich Hunger:

Cloche de Pâques

Osterglocken, les cloches de Pâques, sind eine alte französische Tradition die aus der katholischen Kultur stammt. Soweit ich weiss, ist diese Tradition für Belgien auch gültig. Laut der Legende sollen die Glocken am frühen Ostersonntag am Garten vorbeifliegen und Schokoladeneier hineinwerfen (von daher der Spass, die Eier zu suchen, ich glaub schon es hat die Welt angesteckt...Jetzt wisst ihr, woher das kommt!). Sie hätten bereits die Reise bis Rom, hin und zurück gemacht und brachten Schokolade, ein Luxus nach 40 Tagen Fasten, aus Rom zurück.

Diese Legende stammt aus dem VIIen Jahrhundert und erklärt sich dadurch, dass die Kirche an dieser Epoche das Verbot ausgesprochen hatte, Glocken ab Kardonnerstag bis Sonntag klingen zu lassen. Man wollte ja den Tod von Christus mit Stille respektieren. Interessanterweise sieht es aus, als wusste keiner Bescheid, wann genau die Geschichte mit Schokolade anfängt- ein Skandal: Schokolade ist doch am wichtigsten. Finde ich. Die Glocken seien die ganze Zeit hin und zurück gefahren, aber Schoko...vielleicht am Ende des XIXen Jahrhundert? Eine Zeitpunkt, wo man vernünftig denken kann, eine dezente Anzahl von Franzosen können sich Leckereien leisten.

Es heiss praktisch, wir essen am Ostersonntag nicht nur Schokoeier, sondern auch Schokoglocken. Traditionnell werden sie in Bäckerreien verkauft und enthalten eine feine Auswahl Leckereien, eine klare Andeutung an der Legende. Heutzutage werden aber leider weniger und weniger Osterglocken verkauft, für einen einfachen Grund: grosse Schokoladenhersteller sind nicht nur auf einem Markt tätig, sie wollen ja auch für andere Länder produzieren. Schokoeier sind von der Form her einfacher zu produzieren und weit verbreitet, man kann sie ja überall verkaufen. Glocken dagegen...In Grossstädten sieht man also Glocken weniger und weniger im Verkauf, viele wissen leider nicht wirklich was der Ausdruck Les cloches sont passées (Die Glocken sind vorbeigeflogen) bedeutet. Auf dem Land ist dagegen noch sehr häufig, sie in Handwerkladen zu sehen.

By the way: ich glaub ich hab als Kind gar keine Osterhasen bei uns gesehen. Hühne schon, aber Hasen...ich vermute mal das ist typisch deutsch. Oder irre ich mich da...?

Hinweis für alle Berliner, die französisch naschen wollen: Osterglocken sind jetzt in Galeries Lafayettes im Verkauf. In niedrigen Preisen. Ja ja!